Wie kommen die Tiere über die Autobahn?

GrünbrückeZögernd stehen sie am Straßenrand und warten auf ihre Chance, die Straße zu überqueren. Plötzlich laufen sie los und werden prompt erwischt. Kaum ein Tier konnte die Straße ohne Schaden überqueren. Mit Hilfe eines rotierenden Springseils zeigte der Förster Thomas Jacobi den Schlaufüchsen, wie schwer und gefährlich es für die Tiere ist, eine Straße, insbesondere eine Autobahn, zu überqueren. Die Kinder spielten die Tiere und mussten versuchen, ohne Berührung des Springseils die andere Seite zu erreichen. Kaum ein Kind schaffte das. Damit war schnell klar, welches Risiko die Tiere beim Überqueren einer Straße eingehen.

Für eine sichere Querung kann eine Wildbrücke sorgen. Wie eine Wildbrücke aussieht und funktioniert ließen sich die Schlaufüchse, die Kinder und Jugendlichen der Kreisjägerschaft Neumünster, und deren Eltern am 12.03.2016 an der Wildbrücke bei Negernbötel zeigen. Diese Wildbrücke wurde von 2004 bis 2005 über die Autobahn A21 gebaut und hat damals rund 2,5 Mio. Euro gekostet.

Der für dieses Revier zuständige Förster, Herr Jacobi, erklärte uns geduldig und verständlich, dass eine Wildbrücke nicht einfach so in die Landschaft gestellt werden kann und dann funktioniert. Die Wildbrücke muss richtig in die sie umgebenden Lebensräume eingebettet sein, um von den Tieren angenommen zu werden. Auch die Ruhe ist sehr wichtig, daher liegt die Brücke in einer Wildruhezone. Hier dürfen die Menschen die Wege nicht verlassen. Einige unvernünftige Menschen tun es aber doch und stören als Wanderer oder Motorcrossfahrer die Tiere. So sorgt ein Mensch, der mit seinem Hund die Brücke überquert dafür, dass sich zwei Tage lang kein Wild über die Brücke traut.   Selbstverständlich wird in diesem Revierteil normalerweise nicht gejagt.

Aber nicht nur die großen Tiere, wie Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Rehwild, Fuchs, Dachs, Marderhund und Hase nutzen die Brücke. Auch kleine Tiere wie Kröten und Insekten und sogar Pflanzen finden ihren Weg über die Brücke und verbinden so die verschiedenen Lebensräume. Die Fachleute nennen das Biotopverbund oder Lebensraumkorridor.

Um festzustellen, welche Tiere wann und wie häufig die Brücke nutzen, sind Kameras aufgestellt, die jedes größere Tier fotografieren. Bei den kleinen Tieren und Pflanzen ist die Erfassung nicht so einfach. Hier helfen Kinder des örtlichen Kindergartens und Biologiestudenten der Uni in Kiel. So wird der Erfolg der einzelnen Maßnahmen rund um die Grünbrücke wissenschaftlich ausgewertet. Die Erfahrungen, die hier gewonnen werden, kommen neuen Grünbrücken zu Gute. So jetzt auch bei der neuen Grünbrücke über die A7 bei Brokenlande.    

Dass die Grünbrücke im Revier Kiebitzholm über die A21 funktioniert zeigen einige beeindruckende Zahlen:

Die Zahl der Wildunfälle ging auf diesem Straßenabschnitt von 30 – 40 pro Jahr auf 0 zurück. Vom 01.05.2014 bis zum 30.04.2015 nutzten 1 Stück Rotwild, 1.398 Stück Damwild, 904 Rehe und 601 Wildschweine die Brücke.

Der Besuch der Wildbrücke war eines unsere vierteljährlichen zusätzlichen Angebote für die älteren Schlaufüchse. Der nächste Ausflug führt uns im Juni zu einer Schäferei. Am Fuchsbau treffen wir uns wie immer am 3. Samstag im Monat, der nächste Termin ist am 16.04.2016.

Ingbert Tornquist

Jetzt Mitglied werden