Schlaufüchse mit Binse auf dem Hundetag

Hundetag in SchönmoorRums, ist die Kofferraumklappe zu, und ich sitze wieder mal in meiner kleinen Hundebox im Auto. Wo fahren wir hin? Der Boss hat seine Jagdhose an, aber kein Gewehr dabei. Frauchen ist auch mit. Als könnte Frauchen meine Gedanken lesen, fragt sie den Boss danach, was uns genau erwartet. „Wir fahren zum Hundetag nach Schönmoor. Dort läuft bei Frau Dr. Schroedter ein Jagdkursus. Heute werden dort alle Jagdhunderassen vorgestellt. Außerdem zeigen die Hunde, was sie bei der Jagd leisten. Die älteren Schlaufüchse der Kreisjägerschaft sind auch dort, die dürfen sich das mit ansehen. Und unser Dackel „Binse“ soll dort die Teckel vertreten.“  Das hört sich ja gut an, Binse bin schließlich ich. Die Schlaufüchse kenne ich auch schon, das sind die Kinder und Jugendlichen bei den Jägern in Neumünster.

Auf dem Hof in Schönmoor bin ich überrascht, wie viele Hunde dort sind. Vor lauter Aufregung muss ich mich erstmal lösen. Mit einigen Hunden habe ich mich gleich angefreundet. Am liebsten wären wir ohne die blöde Leine über die Wiese gelaufen und hätten getobt. Dürfen wir nicht, sagt der Boss. Immer schön bei Fuß gehen und einen guten Eindruck machen.  Wie langweilig. Andere Hunde sehen mich gar nicht erst an, halten sich wohl für etwas Besseres. Dabei bin ich wirklich eine hübsche Hundedame, sagt Frauchen, und habe sogar das Hundeabitur.

Endlich stellen wir uns mit den Menschen im Kreis auf. Eine Frau mit sehr lauter Stimme, der Boss sagt, das ist Frau Dr. Schroedter, stellt die Hunderassen nacheinander vor. Dass es so viele verschiedene Rassen gibt, habe ich nicht gewusst. Zuerst kommen die großen Vorstehhunde. Davon gibt es Deutsche, Ungarn und Franzosen. Wir spreche aber alle die gleiche Sprache und haben uns daher gut verstanden. Mein Freund „Heister“ ist auch dabei. Er ist hier wohl der größte Hund und ist ein „Deutsch Langhaar“.

Endlich sind wir Erdhunde dran. Stolz laufe ich mit meinem Boss an der Leine die Runde und spüre die bewundernden Blicke der anderen Hunde. Ja, ja, ein Rauhaarteckel mit feschem Bart ist schon was, klein aber oho! Mit mir zusammen laufen noch ein Langhaarteckel und ein Kurzhaarteckel. Diese Art Hunde kenne ich schon vom Hundeplatz, alles tolle Jagdhunde.

Nach uns werden noch die Terrier, Apportierhunde, Stöberhunde und Schweißhunde sowie Bracken vorgestellt. Die vielen Rassenamen kann ich mir nicht merken. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Menschen das können. Der Boss sagt, das müssen die jungen Jäger aber für ihre Prüfung wissen.

Wir Hunde werden ja auch geprüft, um als brauchbarer Jagdhund zu gelten. Hab‘ ich alles schon hinter mir. Habe mir sagen lassen, dass es bei den Teckeln andere Aufgaben gibt als bei den großen Kollegen. Naja, jeder hat sein Spezialgebiet. Dabei finde ich, wir Teckel können doch fast alles.

Um den vielen Zuschauern zu zeigen, was die Hunde können, werden uns verschiedene Aufgaben gestellt und von einzelnen Hunden abgearbeitet. Hierzu gehören Haarwildschleppen, Verlorensuche und Bringen von Wild aus der Wildackerfläche, Folgen frei bei Fuß, Ablegen und Schießen (natürlich schießen nicht wir Hunde – wir halten das nur ruhig aus), Leinenführigkeit, Riemenarbeit auf der Schweißfährte. Ich habe mir das genau angesehen. Das hätte ich auch gekonnt – wenn ich gewollt hätte. Nur den Fuchs über ein Hindernis zu apportieren wäre wohl zu schwer für mich. Aber wer treibt ihn denn vorher aus dem Bau vor die Flinte? Na, der Teckel, sag ich doch. Beindruckt hat meinen Boss und mich noch das Bringselverweisen eines Ungarischen Vorstehhundes, eines Magyar Vizla. Ob ich das auch lernen könnte?

Als alle Aufgaben von den Hunden erfüllt sind und es Zeit zum Spielen ist werde ich wieder in die Hundebox im Auto eingesperrt. Die Menschen bekommen jetzt ihr Futter, und wir? Der Boss erzählt nachher auf der Rückfahrt im Auto, dass unsere Schlaufüchse und ihre Eltern die Veranstaltung ganz toll gefunden haben. Sie wissen jetzt so viel mehr über die Jagdhunde. Die Schlaufüchse wurden auch von der Chefin in Schönmoor ausdrücklich mit begrüßt, was uns sehr gefreut hat.

Diktiert von Binse von der Hohner Harde, aufgeschrieben von Ingbert Tornquist

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