Die Geschichte eines gewaltigen Konzerts

Jubiläumskonzert des Jagdhorn-Bläser-Korps Neumünster begeistert Zuhörer und Bläser

Jubiläumskonzert„Übrigens, im nächsten Jahr haben wir 50-jähriges Bestehen des Bläser-Korps.“ Mit dieser Aussage überrascht uns unser Korpsleiter nach einem morgendlichen Auftritt beim gemütlichen Frühstückkaffee. Ungläubige Gesichter ringsum. Gibt es uns  schon so lange? So alt fühlen wir uns doch gar nicht. Schnell ist klar: dieses Jubiläum muss würdig begangen werden, aber wie? Es findet sich im Nu ein Organisationsteam, dem der Obmann für das Jagdhornblasen, Jürgen Hinrichs, sein Stellvertreter und unser musikalischer Leiter, Dr. Dirk Jonathal, der Bläser und Obmann für Öffentlichkeitsarbeit der KJS, Holger Meyer sowie der Bläser und Vorsitzende der KJS, Ingbert Tornquist angehören.

Unmittelbar nach den Sommerferien 2014 beginnt die Planung. Wir sind uns sofort einig, ein besonderes Konzert soll es zur Feier des Jubiläums geben. Verschiedene mögliche Veranstaltungsorte werden in der Stadt besichtigt und bewertet. Neumünster bietet in seiner grünen Innenstadt oder dem schönen Kleinflecken hierfür eine hervorragende Kulisse. Sorgen machen uns die Probleme der Logistik. Eine Bühne muss her, mit entsprechender Technik und Beleuchtung, die Gäste müssen gastronomisch versorgt werden, Sanitäreinrichtungen müssen verfügbar sein, Parkplätze sollte es auch geben. Das alles lässt sich für Geld kaufen oder regeln, aber können wir uns das als kleine Kreisjägerschaft leisten? Wenn das Wetter nicht mitspielt  stehen wir bei strömendem Regen allein auf der Bühne – und haben die Kosten trotzdem.

Wir drehten uns bei den Planungen an diesem Punkt im Kreis, als uns der Zufall in Person des Geschäftsführers der LJV, Andreas Schober, zur Hilfe kommt. Bei einem seiner Besuche in Neumünster erzählen wir von unseren schwierigen Planungen zum Jubiläumskonzert. Herr Schober informiert uns, dass es in 2015 eine neue Messe für Jäger, Angler und Naturfreunde unter maßgeblicher Beteiligung des LJV in den Holstenhallen Neumünster geben wird. Gleichzeitig wird dort der Landesjägertag stattfinden. Könnt Ihr Euch da nicht einklinken?

Schon wenige Tage später sitzen wir bei der Leitung der Holstenhallenbetriebe im Büro und tragen unser Anliegen vor. „Die Halle 2 ist nach dem Landesjägertag am Sonntag frei, die können sie nutzen!“ Die Halle wird besichtigt, das gastronomische Rahmenprogramm, die Bestuhlung und der Standort der Bühne werden besprochen. Überall werden wir nach Kräften unterstützt. Alles hört sich gut an, so machen wir es!

Nun kommt Dynamik in die Vorbereitungen. Welche Gruppen wollen wir einladen und welche Gäste? Wie lange darf das Konzert dauern, wie viele Stücke darf jede Gruppe spielen, soll es Grußworte geben? Brauchen wir eine Dekoration für den Raum und für die Bühne? Fragen über Fragen. Einladungen und Plakate werden entworfen und zur Druckerei gegeben. Nach den Probeabenden tagt manches Mal das Organisationsteam, jetzt ergänzt um den Bläser Horst Behn.    

Nach den Chroniken zum 10-, 25- und 40-jährigen Bestehen des Bläser-Korps jetzt noch eine Chronik zum 50-jährigen Jubiläum? Nein! Oder doch?

50 Jahre Bläserkorpsgeschichte in einem Fotobuch dargestellt auf 24 Seiten? Das ist eine unlösbare Aufgabe. Stattdessen gibt nun eine willkürliche, unvollständige und subjektive Auswahl aus unserem umfangreichen Archiv. Höhepunkte und andere Begebenheiten aus 50 Jahren Bläserkorpsgeschichte. Das Fotobuch kann jetzt zum Selbstkostenpreis von         € 24,90 beim Vorstand der KJS Neumünster bestellt werden.

Wir wollen das 50-jährige Bestehen des Jagdhorn-Bläser-Korps Neumünster mit dem feiern, wofür wir stehen und was wir am besten können: Mit dem Erklingen unserer Jagdhörner! Daher soll es außer den Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, Ingbert Tornquist, keine weiteren Grußworte geben.

Damit wir das nicht allein bestreiten müssen und um die große Vielfalt dieser Musik in unserem Lande zu zeigen, laden wir Gruppen aus den benachbarten Kreisen ein. Mit einigen dieser Gruppen verbindet uns seit vielen Jahren ein freundschaftliches Miteinander.

Gern hätten wir noch weitere Gruppen eingeladen, aber der von uns selbst gesetzte maximale Zeitrahmen für das Konzert von drei Stunden sollte auf keinen Fall überschritten werden.

Inzwischen interessiert sich auch die örtliche Presse für unser Jubiläumskonzert. Wir erhalten eine sehr gute werbewirksame Vorberichterstattung in den Tageszeitungen.

Für die Moderation gewinnen wir unsere Landesobfrau für das Jagdhornblasen, Frau Mandi-Rose Wargenau-Hahn. Zur Abstimmung von Einzelheiten der Veranstaltung gehen die Mails zwischen den Organisatoren nur so hin und her, die Telefonleitungen glühen.

Endlich ist der große Tag des Konzertes gekommen. Ein Sonntag mit strahlendem Sonnenschein. Durch die Messehallen bewegen sich die Besuchermassen der neuen Outdoormesse. Vormittags werden letzte Aufbauarbeiten von uns an der Bühnendekoration durchgeführt. 

Schon früh treffen die ersten Bläser ein, der Saal füllt sich. Alle angemeldeten 15 Gruppen sind gekommen. Am Ende zählen wir über 300 Bläserinnen und Bläser und insgesamt rd. 500 Gäste.

Wir erfahren durch den Besuch der Stadtpräsidentin, Frau Anna-Katharina Schättiger, dem Oberbürgermeister der Stadt Neumünster, Dr. Tauras, dem Präsidenten des LJV Dr. Baasch und etlicher Mitglieder aus dem Präsidium und der Geschäftsstelle eine hohe Ehrung.

Pünktlich um 14:00 Uhr eröffnen die Gastgeber, das Jagdhorn-Bläser-Korps Neumünster, mit dem Signal „Begrüßung“ das Konzert. In einer kurzen Begrüßungsansprache weist der  Vorsitzende der Kreisjägerschaft darauf hin, dass sich 1965 im Tierpark unter der Leitung von Herrn Hans Schirrmacher die mutigen Anfänger zur ersten Übungsstunde getroffen hatten. Bereits 1966 wurden erste öffentliche Auftritte durchgeführt. Unter anderem gab es mit 12 Bläserinnen und Bläsern ein Geburtstagsständchen für den damaligen Oberbürgermeister unserer Stadt, Herrn Walter Lehmkuhl.

In unseren Unterlagen steht: „Es war gelungen, die Stadt Neumünster davon zu überzeugen, dass das Bläserkorps des damaligen Kreisjagdverbandes Neumünster sich in einer einheitlichen Tracht besser zum Verbinder zwischen Jägerschaft  und Öffentlichkeit machen kann. Die Stadt gab einen Zuschuss von 1.500 DM!

Einzige Bedingung: hin und wieder im rechten Rahmen öffentlich in Erscheinung zu treten.“ .

Die Bläser haben ihren Teil der Abmachung eingehalten und sind seit dem über 700-mal öffentlich laut und vernehmbar als Neumünsteraner Jagdhorn-Bläser in Erscheinung getreten.  Von anspruchsvollen Hubertusmessen bis zu spontanen Auftritten. Dabei spannt sich der Bogen von Schleswig-Holstein bis nach Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern,  von Berlin bis nach Norwegen. Auch für und in Neumünster selbst dürfen wir gelegentlich öffentlich auftreten.

Bevor es endlich richtig los geht, überreicht uns der Präsident des Landesjagdverbandes eine Ehrenplakette, was uns sehr überrascht und erfreut. Frau Mandi-Rose Wargenau-Hahn führt charmant und fachkundig durch das Programm. Ein Höhepunkt folgt auf den nächsten. Jede Gruppe darf 3 Stücke nach freier Wahl vortragen. Das Programm ist ebenso abwechslungsreich wie anspruchsvoll. Die 15 Gruppen zeigen eindrucksvoll die Vielfalt der Musik, die mit den Jagdhörnern erzeugt werden kann. Sei es in gemischten Gruppen mit Fürst-Pless und Parforce Hörnern, mit reinen Parforce-Horn Gruppen in Es oder den Alphornbläsern. Vom klassischen Jagdsignal bis zu konzertanten Stücken, Fanfaren und Märschen sowie traditionellen Volksweisen und an Jazz anklingende Stücke ist eine breite Auswahl zu hören. Genauso vielfältig ist die Zusammensetzung der Gruppen. Von Jung bis Alt ist alles vorhanden. Kinder und Jugendliche blasen gemeinsam mit Senioren. Eine Passion, die keine Altersgrenzen kennt.  

Die Spielfreude ist den Bläsern anzumerken. Das begeisterte Publikum spart nicht mit Applaus und Bravo-Rufen. Jeder Bläser bekommt zum Dank für die Teilnahme ein kleines Gastgeschenk und einen Schnaps oder etwas Süßes.  

Zum absoluten Höhepunkt und gleichzeitig Schlusspunkt des Konzertes wechseln alle Bläser und Gäste in die große Holstenhalle zum gemeinsamen Abschlussblasen. Im „Hundering“ der Messe sortieren sich die Bläserinnen und Bläser unter der Leitung von Herrn Meinert Schweim schnell nach ihren Stimmlagen und schon erbebt die Halle. Wieder einmal mehr beweist die große Holstenhalle ihre akustischen Qualitäten. Nicht umsonst ist die Halle auch ständiger Spielort des Schleswig-Holstein-Musikfestivals.  Auf einem Tisch stehend hat der Dirigent Meinert Schweim die Musiker bestens im Griff, als wenn das gemeinsame Musizieren  von fast 300 Bläsern das Selbstverständlichste von der Welt ist und wir jede Woche zusammen Proben. Gänsehautfeeling stellt sich ein, mancher Teilnehmer und Zuschauer hat mit Hochwasser in den Augen zu kämpfen.

Pünktlich um 17:00 Uhr erklingt der letzte Ton. Perfekt, wie das ganze Konzert. Wir sind uns sicher, davon werden die Mitglieder des Jagdhorn-Bläser-Korps Neumünster noch bei ihrem nächsten großen Jubiläum in 25 Jahren schwärmen. Wir danken herzlichen allen, die dazu beigetragen haben, sei es als Bläser, Zuhörer oder guter Geist im Hintergrund.

Ingbert Tornquist

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